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Aktion freier Sonntag

Prof. Christ: Der Sonntag bietet uns die Chance zur analogen Begegnung

Prof. Wolfgang Christ, war einer der Hauptreferenten bei der Fachtagung Stadtkultur-Sonntagskultur von der Allianz für den freien Sonntag in Stuttgart. Peter Niedergesäss führte im Anschluss an die Tagung ein Interview mit Prof. Christ.

>        Was waren die prägenden Ereignisse in der frühen Stadtentwicklung?

Prof. Christ: Wenn man das so kurz und knapp wie möglich beschreiben sollte, dann würde ich sagen, nahezu alle Städte wurden vom 11. bis ins 14. Jahrhundert gegründet, weil man mit dem wiederauflebenden Handel Marktplätze brauchte, also die Stadt europäischen Typs ist eine Handelsstadt. Dann gibt es Städte, die eigentlich eher einen machtpolitischen Charakter hatten, zum Beispiel Residenzstädte. Die Stadtkultur wurde durchgängig bis ins 19. Jh. vom Handel bestimmt. Danach beginnt der Typus der Industriestadt das Wesen unserer Städte zu prägen, und das bis heute. Vor allem die bis dahin sehr eng miteinander verwobenen Funktionen Wohnen und Arbeiten wurden im Zuge der Entwicklung zur Industriestadt zunehmend radikal voneinander getrennt. Das vor 100 Jahren gegründete Bauhaus hatte dies als ,Stadt der Zukunft' propagiert. Mit dem Prozess der Deindustrialisierung, der heute mit dem Stichwort Digitalisierung einhergeht, sind wir wieder da angelangt, wo Stadt eigentlich immer stand, nämlich als ein Ort, wo Vieles miteinander kombiniert werden kann was getrennt war, vor allen Dingen im Wohnen und Arbeiten, aber auch Bildung, Kultur, Einkaufen.

>        Wie werden sich die Städte im digitalen Zeitalter entwickeln?

Prof. Christ: Die Stadt im digitalen Zeitalter kann also in vielerlei Hinsicht wieder dahin zurückkommen, wo sie funktional und auch städtebaulich über Jahrhunderte war, eine Stadt in der Vielfalt das Programm ist. Diese Vielfalt ist natürlich heute viel komplexer und auch widersprüchlicher, als das früher der Fall war; denken Sie alleine an die ethnische Vielfalt, die religiöse Vielfalt und auch die Vielfalt der unterschiedlichen Zeitbudgets: die Einen leben quasi immer noch am Ort und für den Ort, und für die Anderen ist Arbeiten hoch mobil geprägt, sie müssen ständig unterwegs sein. Doch beide Gruppen sind heute über das Internet weltweit in Raum und Zeit unterwegs. Wir stehen vor der großen Herausforderung, Vielfalt städtebaulich so zu organisieren, dass nicht Konflikte und ein zusammenhangloses Nebeneinander die Konsequenz ist, sondern ein Gemeinwesen, dass sich zurecht ,Stadt' im traditionellen Sinn nennen kann.

>        Heute sterben die Innenstädte aus, weil der Online-Handel auf dem Vormarsch ist.

Was können die Städte tun?

Prof. Christ: Es gibt eine widersprüchliche Entwicklung: auf der einen Seite gewinnen unsere Städte seit den 70er-80er Jahren des 20. Jh. wieder an Attraktivität als Wohnstandort. 1975 war das europäische Jahr des Denkmalschutzes: das war im Grunde genommen ein ganz wichtiges Datum. Ab der Mitte der 70er Jahre war klar, dass die Zukunft nicht in den Großwohnsiedlungen, so wie man sie in der DDR kannte, oder den Satellitenstädten, wie es sie in Westdeutschland gab, liegen wird. Sondern in gemischt genutzten Quartieren, wie sie im letzten Drittel des 19. Jh. überall entstanden waren Seitdem gibt es ja einen kontinuierlichen Zug zurück in die Stadt: man will die ganze Palette der Vorteile der , Mitte 'ausleben können. Stichwort dazu ist die ,Stadt der kurzen Wege'. Diese Entwicklung läuft jetzt Gefahr ins Leere zu laufen, weil ausgerechnet die Funktion Vorort-Service mit Dienstleistungen und Handel, durch die Digitalisierung zu verschwinden droht. Es gibt im Grunde genommen diese zweischneidige Entwicklung: einerseits die Renaissance der Innenstadt und andererseits der drohende Auszug des Handels aus der Stadt.

Wir haben die Kerne unserer Innenstädte als Wohnstandort ja schon verloren im Zuge der Citybildung. Das beginnt Ende des 19. Jahrhunderts. Unsere Innenstädte waren im Grunde genommen nur noch für Handel, Verwaltung und Dienstleistung vorgesehen. Insbesondere Wohnen, Handwerk und Gewerbe sollten komplett aus der Innenstadt verschwinden. So hat z.B. der Berliner Senat in den zwanziger Jahren einen Stadtentwicklungsplan für die Innenstadt beschlossen, der Schritt für Schritt das „Entwohnen der Innenstadt" vorsah. In der Innenstadt der Zukunft sollte Platz für Einkaufen, Verwaltung, natürlich das Rathaus, für Bildung und Kultur, für Kinos, Theater usw. sein. Wir wissen heute, dass diese Strategie falsch war. Die Mitte muss mehr sein als ein Service-Point für Pendler. Nur mit einer kritischen Masse an Wohnen und Arbeiten kommt Leben und damit bürgerschaftliche Kultur und Verantwortung für ,meine Stadt' zum Tragen. Genau das sollten wir bei den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Innenstadt bedenken. Was mir in diesem Zusammenhang Sorgen bereitet ist die absehbare Dominanz des Online-Handels und der damit einhergehende Verlust des Einzelhandels als materieller Träger der Urbanität in unseren Städten. Die Frage ist also, was zieht uns in die Innenstädte, wenn es nicht mehr vorrangig das Einkaufen ist?

> Am Sonntag kommen die Menschen zusammen, können sich begegnen. Was können Stadtplaner zum Erhalt des arbeitsfreien Sonntags beitragen?

Prof. Christ: Meiner Meinung nach sollte eine neue Debatte angestoßen werden, inwieweit der arbeitsfreie Sonntag, der ja wesentlich auch vor dem Hintergrund des Arbeitens im Handel und in den Dienstleistungen entstanden ist, erhalten werden kann. Ich glaube, dass der Sonntag als ein Tag der Erholung, und wie das ja im Grundgesetz auch steht, der ,seelischen Erhebung' weiterhin schützenswert ist. Wir laufen Gefahr, dass wir rund um die Uhr in dem gefangen sind, was dieser französische Architekt und Philosoph Paul Virilio: „Stereorealität" genannt hat: also dieses ständige Pendeln zwischen der realen und der virtuellen Welt. Jeder spürt, dass das physisch und auch psychisch nicht nur anstrengend, sondern ungesund ist. Wir brauchen einfach Auszeiten von der Digitalisierung; wir brauchen einen neuen Bezug zu dem was als Natur bezeichnet wird, also etwa zu den Jahreszeiten, alleine auch zu den Tag und Nachtrhythmen. Und da ist der Rhythmus: Woche - Wochenarbeitszeit und sonntags -freie Zeit eine elementare Größe. Eine ganze Zeitschriften- und Wellnesindustrie lebt von dem Bedürfnis nach ,Achtsamkeit' und ,Flow'. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft den Sonntag als gesunderhaltenden Tag im Zeitalter der Digitalisierung braucht. Wir brauchen diesen Tag um die sozialen Beziehungen in der Gesellschaft pflegen zu können: Wann treffen wir uns denn, wann können wir uns begegnen? Wir begegnen uns vielleicht auf Facebook oder Instagram, das sind aber keine realen Begegnungen. Wir brauchen reale Räume und wir brauchen klar erkennbare Zeitrhythmen um ein Angebot zu haben, miteinander ins Gespräch zu kommen und miteinander auch etwas unternehmen zu können.

>        Gibt es Beispiele in Europa bzw. weltweit für eine menschenfreundliche Stadtentwicklung?

Prof. Christ: Es gibt eine klare Tendenz hin zu mehr Natur in der Stadt. Es gibt viele Projekte z.B. der Umnutzung des Rückbaus von Verkehrsinfrastruktur: - in Madrid hat man eine 5-6 km lange Autobahn zurückgebaut und hat einen Park daraus gemacht; - in Boston/USA ist die riesige Stadtautobahn, die man in den 60er-70er Jahren gebaut hat und auf der über 200.000 Autos am Tag fuhren in einen grünen Boulevard gewandelt worden. Paris plant aktuell den größten Stadtpark rund um den Eiffelturm.

Diese neuen öffentlichen Räume dienen in erster Linie dazu, einen Ort der Begegnung in der Stadt zu schaffen. Begegnung findet in der Regel am Sonntag statt, es sind Sonntagsräume, die man da gebaut.

Oder betrachten wir die neue Rolle der Bibliotheken als Treffpunkt für alle. In Bremen wurde gerade die Stadtbibliothek nicht zuletzt aus diesem Grund ausgezeichnet. Es gibt so viele Beispiele weltweit die man dahin deuten kann, dass diese analoge Seite der Entwicklung in Form von Begegnungsorten, von Plätzen, von Parkanlagen, von Grünflächen ganz bewusst auch hergestellt wird, um Lebensqualität im 21. Jh. in der Stadt neu zu definieren. Lebensqualität, die man räumlich verortet, die muss man auch zeitlich fixieren. Und da ist der Sonntag ja die einzige Möglichkeit um die Chancen, die in diesen Räumen stecken, dass Menschen sich dort treffen, unsere wertvollste Ressource. Und es ist eine Chance zur Stärkung des Zusammenhalts in unserer Gesellschaft und damit gut für die Demokratie in schwierigen Zeiten.

>        Welche Aufgaben haben die Kirchen heute in der Stadtentwicklung?

Prof. Christ: Ich bin ja selber Katholik und immer noch in der Kirche. Meiner Meinung nach sind ja Kirchen Spezialisten für Gemeinschaft, für das Miteinanderreden, für das Zusammenkommen. Kirchengebäude stehen ja noch in den Städten intakt zur Verfügung, sie sind für viele Menschen temporäre Rückzugsorte aus dem Trubel der Innenstadt; ich selber nehme das sehr gerne wahr, gehe immer gerne auf Friedhöfe, weil das kontemplative Orte sind. Aber es gibt sicher mit Blick auf die Bedürfnisse der Menschen, aus dem Internet rauszukommen und in realen Räumen zu gelangen, große Chancen für einen Anbieter, der in zentraler Lage einfach sehr viel Raum zur Verfügung stellen kann.

Die Gewerkschaften sollten ihren Kampf für diesen nichtkommerziell geprägten Tag dazu nutzen, gemeinsam mit den Kirchen dafür zu sorgen, dass in einer sich verändernden Stadtkultur, Orte der Begegnung geschaffen werden. Das Bedürfnis sich in Innenräumen und auch draußen, im Freien, sich zwanglos und nichtkommerziell geprägt zu treffen, wird weiter zunehmen. Es müsste eigentlich jetzt vielen Menschen klar sein, dass auf gar keinen Fall die Ressourcen an gebautem Raum und frei nutzbaren Flächen, die die Kirchen besitzen, zudem Flächen, die die sich im Eigentum der öffentlichen Hand befinden (Bahnhöfe, Postämter, Schulen, usw.), weiter meistbietend mit einem kurzfristigen und maximalen Renditeinteresse an Private verkauft werden dürfen! Es ist höchste Zeit zu überlegen, was mit diesen Flächen produktiv für die Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten, angefangen werden kann. Dazu mache ich den Vorschlag, dass Kirchen und Gewerkschaften sich gemeinsam für ein Moratorium einsetzen, dass innerstädtische öffentliche Gebäude und Flächen in den nächsten fünf Jahren nicht verkauft werden dürfen. Parallel dazu braucht es einen Dialogprozess, wie wir mit Hilfe dieser potentiellen ,Sonntags-Räume' die Lebensqualität in unseren Innenstädten sichern und ausbauen können.

Interview zum herunterladen

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Fachtagung Stadtkultur - Sonntagskultur

Aktionstag

Einladung zur Fachtagung Stadtkultur - Sonntagskultur am 15. Juli 2019 von 10.15 Uhr - 15.30 Uhr im Rupert-Mayer-Haus, Großer Saal, Hospitalstr. 26, 70174 Stuttgart.

Einladung „In den alten Städten Europas bildeten Handel, Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Bildung, Kirche und Kultur eine weitgehende harmonische Einheit“, so Prof. Dr. Wolfgang Christ in einem Interview. Das hat sich, so Prof. Dr. Christ, in der Moderne drastisch verändert. Zeichen dieser Veränderung sind u.a. große Handelsflächen außerhalb der Stadtzentren, ein mit dem Überleben kämpfender Einzelhandel, unbelebte und unattraktive Innenstädte an den Abenden / Sonntagen sowie eine sich verändernde Sozialstruktur in den Innenstädte durch immer teureren Wohnraum.
Die Fachtagung fragt im Dialog mit ausgewiesenen Expertinnen unter Einbeziehung des Publikums nach Visionen einer lebendigen Stadtkultur, in der auch die Kultur eines arbeitsfreien Sonntags ihren Platz hat.

10:15 Uhr: Eröffnung und Begrüßung
15:30 Uhr: Ende der Veranstaltung

Anmeldung:
Bitte melden Sie Ihre Teilnahme bis Dienstag, den 09. Juli 2019 an bei:
Betriebsseelsorge Jahnstr. 30 70597 Stuttgart
E-Mail: Betriebsseelsorge@bo.drs.de

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Fachtagung zum Sonntagsschutz – Vertreter/-innen aus Verwaltung, Kirchen, Gewerkschaften und Handel diskutieren den freien Sonntag

Stuttgart, 18. Juni 2018

Fachtagung zum Sonntagsschutz – Vertreter/-innen aus Verwaltung, Kirchen, Gewerkschaften und Handel diskutieren den freien Sonntag

Rund 60 Vertreter/-innen der öffentlichen Verwaltung, von Kirchen, Gewerkschaft und aus dem Handel trafen sich gestern in Stuttgart zu einer Fachtagung zum Thema Sonntagsschutz und Sonntagsöffnungen im Einzelhandel. Etwa ein Drittel stellten Personen aus der öffentlichen Verwaltung des Landes Baden-Württemberg – reichend von der Ebene des Ministeriums bis zu Behörden der unteren Verwaltung. Eingeladen hatte die baden-württembergische "Allianz für den freien Sonntag".

In seinem Eingangsreferat stellte der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht Dr. h. c. Wilhelm Schluckebier die verfassungsrechtliche Bedeutung des Sonntagsschutzes dar und nahm dabei insbesondere auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 1.12.2009 zum Berliner Ladenöffnungsgesetz Bezug, an der er selbst beteiligt war. Demnach weist das Grundgesetz dem freien Sonntag eine besondere Bedeutung zu; Ausnahmen sind nur durch einen besonderen ("dem Sonntagsschutz gerecht werdenden") Sachgrund zulässig. Gerade Ladenöffnungen kommt hier "wegen ihrer öffentlichen Wirkung" ein besonderes Gewicht zu. Rein wirtschaftliche Umsatz- und Kaufinteressen seitens Händlern bzw. Kaufinteressenten reichen nicht zur Begründung einer Ausnahme vom Sonntagsschutz aus. Auch der allseits vorgetragene wirtschaftliche Druck auf den Einzelhandel durch den stetig zunehmenden Onlinehandel ergebe wohl nicht mehr Spielraum für gerechtfertigte Ausnahmen, so der Verfassungsexperte und ehemalige Richter.

 

In den anschließenden Diskussionsrunden wurde deutlich, dass seitens der Verwaltung und Rechtsaufsicht noch mehr getan werden muss, um im Einzelfall den Anforderungen der Rechtsprechung zur Sonntagsöffnung nachzukommen. "Die Kommunen müssen besser prüfen, bevor sie Sonntagsöffnungen genehmigen", so Bernhard Franke von ver.di Baden-Württemberg.
"Für mehr Rechtssicherheit könnte der Landesgesetzgeber sorgen, indem verkaufsoffene Sonntage nur noch im Wege einer Satzung der Kommunen zugelassen werden, was den Rechtsaufsichtsbehörden eine bessere Kontrolle ermöglichen würde. Hilfreich wäre auch, wenn das Wirtschaftsministerium in gewissen Abständen einen Bericht über alle im Land durchgeführten Sonntagsöffnungen veröffentlichen würde", so Dr. Astrid Deusch (ANP Freiburg).
Allseits wurde die fortschreitende Digitalisierung als große Herausforderung benannt. Dr. Ralf Stroh von der Bundesallianz für den freien Sonntag betonte: "Sonntagsöffnungen sind ein untaugliches Mittel, um den anstehenden Veränderungen unserer Innenstädte und des Einzelhandels zu begegnen. Nötig sind intelligente Konzepte, um die Innenstädte für Besucher wieder interessant zu machen."

In einem Schlusswort formulierte Peter Niedergesäss (KAB Stuttgart) den Anspruch der Allianz für den freien Sonntag, den freien Sonntag als kulturelle Errungenschaft und hohes Rechtsgut weiterhin nach Kräften in der Öffentlichkeit zum Thema zu machen.

In der "Allianz für den freien Sonntag" in Baden-Württemberg haben sich gewerkschaftliche und kirchliche Organisationen zu einem Bündnis für sozialverträgliche Arbeitszeiten zusammenge­schlossen. Sie ist Teil der auf Bundesebene ins Leben gerufenen "Allianz für den freien Sonntag".

Dazu gehören:

• Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) Erzdiözese Freiburg und Diözese Rottenburg-Stuttgart • Arbeitnehmerpastoral Erzdiözese Freiburg • Betriebsseelsorge Diözese Rottenburg-Stuttgart • Kolping Landesverband Baden-Württemberg • Evangelische Arbeitnehmerschaft (EAN) der Evangelischen Landeskirche in Baden • Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA) der Evangelischen Landeskirche in Baden • Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA) der Evangelischen Landeskirche in Württemberg • Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) • Deutscher Gewerkschaftsbund

(DGB)

Über 60.000 Unterschriften für die Sonntagsruhe

München, 18.12.2017.  Die Münchner Allianz für den freien Sonntag hat für ihre Petition „Der Sonntag muss frei bleiben!“ Unterschriften von 62.356 Bürgerinnen und Bürgern eingesammelt – 51.113 mit klassischen Unterschriftenlisten, 11.243 auf dem Petitionsportal.  Die Petition und den Riesenberg Unterschriftenlisten sendet das kirchlich-gewerkschaftliche Bündnis nun als „Weihnachtsgeschenk“ an die Konzernzentralen von Karstadt und Galeria Kaufhof. Die beiden Warenhäuser hatten im Sommer unter dem irreführenden Motto „Selbstbestimmter Sonntag“ eine Kampagne für die völlige Abschaffung der Sonntagsruhe im Handel gestartet.

Link zu KAB-Deutschland

Fachtagung zum Sonntagsschutz

Stuttgart, den 9. März 2017

Fachtagung zum Sonntagsschutz – Kommunen und Rechtsaufsicht werden zur Einhaltung der gesetzlichen Regeln aufgefordert

Rund 60 Vertreter von Kirchen, Gewerkschaft (ver.di) sowie Arbeitgebern trafen sich gestern in Stuttgart zu einer Fachtagung zum Thema Sonntagsöffnungen im Einzelhandel. Eingeladen hatte – wie schon im Vorjahr – die baden-württembergische „Allianz für den freien Sonntag“...........

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Videos zur Sonntagsallianz-Pressekonferenz

"Stress um Ruhetag: Allianz für freien Sonntag bläst in Stuttgart zum Angriff"
 - Regio TV Stuttgart

Allianz für den freien Sonntag fordert Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften für Verkaufsöffnungen an Sonn- und Feiertagen

Presserklärung zum herunterladen

Presseerklärung

Stuttgart, 11. Oktober 2016. In einer öffentlichen Pressekonferenz in Stuttgart setzte sich heute die Allianz für den freien Sonntag (Bündnis kirchlicher und gewerkschaftlicher Organisationen, s. unten) für die Einhaltung der geltenden rechtlichen Vorschriften zur Genehmigung von Verkaufsöffnungen an Sonn- und Feiertagen ein. Betont wurde die besondere gesellschaftliche Bedeutung des freien Sonntags, die sich aus der christlichen und verfassungsrechtlichen Werteordnung ergibt. „Sonntag und gesetzliche Feiertage genießen in Deutschland besonderen Schutz durch unsere Verfassung – das ist europaweit einzigartig“, so Thomas Löffler (KDA Baden).

Nach Beobachtungen der Allianz nimmt die Zahl der Sonntagsöffnungen in den Kommunen landesweit deutlich zu, hingegen werden die rechtlichen Voraussetzungen von den Verantwortlichen häufig nicht eingehalten. Den kommerziellen Interessen des örtlichen Einzelhandels werde immer wieder Vorrang vor dem Schutz des Sonntags/Feiertags eingeräumt.

Das Bundesverwaltungsgericht hat erst im November 2015 die rechtlichen Voraussetzungen für die Genehmigung von Verkaufsöffnungen an Sonn- und Feiertagen konkretisiert und verschärft. „Die Anforderungen die das Bundesverwaltungsgericht formuliert hat, lassen zukünftig viele Sonn- und Feiertagsöffnungen in der Form, wie sie in der Vergangenheit durchgeführt wurden, nicht mehr zu; sie werden als rechtswidrig beurteilt werden.“, so Dr. Astrid Deusch, Rechts- und Bildungsreferentin  bei der Arbeitnehmer-seelsorge im Erzbistum Freiburg.

Um die Kommunen über die neuere Rechtsprechung zu informieren, versandte die Allianz nun ein Schreiben an alle Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg (rund 1100 Adressaten), in dem die geltende Rechtslage dargestellt und erläutert wird. Die Kommunen werden aufgefordert, ihre Praxis bei der Genehmigung von Sonntagsverkäufen zu überprüfen und die bestehenden rechtlichen Anforderungen einzuhalten. Erforderlichenfalls sei die Allianz durchaus bereit, den „verfassungsrechtlich vorgegebenen Schutz der Sonn- und Feiertage im Bedarfsfall auch gerichtlich durchzusetzen“.

Um die Einhaltung der rechtlichen Vorschriften zu verbessern, schlägt die Allianz vor, dass die Kommunen ihre Genehmigungen zu Sonn- und Feiertagsverkäufen nur noch in Form einer „Satzung“ erteilen dürfen. Diese müsste zwingend den Rechtsaufsichtsbehörden zur Überprüfung angezeigt werden.

Die Allianz bekräftigte nochmals ihre Forderung gegenüber der Landesregierung von Baden-Württemberg, das Ladenöffnungsgesetz einer Evaluation zu unterziehen, die die Auswirkungen der ausgedehnten Ladenöffnungszeiten in größerem Umfang untersucht. „Die neue Landesregierung ist bereits seit sechs Monaten im Amt. Wir erwarten, dass die uns schon länger zugesagte Evaluation bald beginnt“, so Peter Niedergesäss (KAB Stuttgart).

Eine Vorschrift des Ladenöffnungsgesetzes sollte nach Ansicht der Allianz wegen erheblicher verfassungsrechtlicher Bedenken auf jeden Fall gestrichen werden: Die Regelung zu separaten Sonntags- und Feiertagsöffnungen in städtischen Bezirken (§ 8 Abs. 2). Sie führt dazu, dass in einzelnen Städten z. T. über 30 Sonntagsverkäufe pro Jahr genehmigt werden – praktisch wird der Sonntagsschutz ausgehebelt, betonte KAB-Diözesansekretär Niedergesäss bei der Pressekonferenz.

In der „Allianz für den freien Sonntag in Baden-Württemberg“ haben sich gewerkschaftliche und kirchliche Organisationen zu einem Bündnis für sozialverträgliche Arbeitszeiten zusammengeschlossen. Sie ist Teil der auf Bundesebene ins Leben gerufenen Allianz für den freien Sonntag.

Dazu gehören: Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) Erzdiözese Freiburg und Diözese Rottenburg-Stuttgart; Arbeitnehmerpastoral Erzdiözese Freiburg; Betriebsseelsorge Diözese Rottenburg-Stuttgart; Kolping Landesverband Baden-Württemberg; Evangelische Arbeitnehmerschaft (EAN) der Evangelischen Landeskirche in Baden; Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA) der Evangelischen Landeskirche in Baden; Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA) der Evangelischen Landeskirche in Württemberg; Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di); Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB).

Peter Niedergesäss 
KAB-Diözesansekretär

KAB Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart 
Jahnstraße 30, 70597 Stuttgart 
Postfach 70 03 36, 70573 Stuttgart 
Telefon 0711 - 9791-128
Handy 0049 160 95058435
Homepage www.kab.drs.de

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Jahnstraße 30
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