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Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart

Spirituelles

Vertrauen und Spuren hinterlassen

Bei der Messe zur KAB-Bundesdelegiertenversammlung vom 18.-20. Juni 21 hat unsere stellvertretende Geistliche Leiterin Heidrun Krismer in der Sankt-Agnes-Kirche in Köln zum Thema Verbandsspiritualität gepredigt. Eine Frau und Laiin predigt in Köln... ein fortschrittliches Zeichen. Hier nun die Predigt zu 2 Korinther 5,14-17  und Markus 4,35-41  zum Nachlesen:

„Wir haben gerade zwei sehr unterschiedliche Texte aus der Bibel gehört. Der Korintherbrief von Paulus ist ein theoretischer Text. Markus dagegen erzählt eine Geschichte, die aber eher etwas verstörend ist. Beide haben gemeinsam die Frage: Wer ist oder war Jesus? Und was bedeutet das für uns? Was hat das für Konsequenzen.

Ich möchte Ihnen hierzu noch ein afrikanisches Märchen erzählen: Ein König merkt, dass seine Kräfte nachlassen und es Zeit wird, den Thron zu übergeben. So ruft er seine beiden Söhne zu sich. Er möchte sie prüfen und schickt sie aus in die Welt mit dem Auftrag, Spuren hinterlassen, denn das sei das Wichtigste. Der Ältere macht sich also auf. Er ist sehr gewissenhaft, legt Pfeile aus Ästen auf den Weg, ritzt immer wieder Zeichen in Bäume am Wegesrand und er schneidet hohes Gras, bindet es zu Garben und stellt sie auf äußere Zeichen. Der Jüngere zieht auch los. Er wandert durch die Welt, beobachtet Menschen, spricht mit Ihnen, hilft ihnen. Er wird eingeladen in die Dörfer, isst, trinkt und feiert mit Ihnen. Nach einiger Zeit kehren beide heim zum Vater. Er macht sich mit Ihnen auf und will die Zeichen sehen. Die Spuren des älteren Bruders aber sind verschwunden. Die Pfeile weggekickt, die Grasbüschel umgeweht, die Bäume gefällt.  Als sie sich auf den Weg des Jüngeren machen, wird dieser überall erkannt und die Menschen erinnern  und freuen sich, Sie laden die drei zu sich ein. Und der König lobt den Jüngeren: Du hast Spuren in den Herzen der Menschen hinterlassen und die vergehen nicht.

Ich finde diese Geschichte sehr eindrücklich.

Im Korintherbrief sind die wichtigsten Sätze für mich: Was wir auch tun, wir tun es aus der Liebe, die Christus uns geschenkt hat. Und wir sollen nicht länger für uns selbst leben, sondern für Christus. Gehört also jemand zu Christus, dann ist er ein neuer Mensch. Was vorher war, ist vergangen, etwas völlig Neues hat begonnen.

Was ist typisch „alter Mensch“? Meines Erachtens „survival oft he fittest“; rein menschliche, objektiv sichtbare Maßstäbe: äußere Zeichen, so wie sie der ältere Sohn im Märchen anlegt. Spuren hinterlassen, wie toll, gescheit, fähig  ich bin .Möglichst perfekt sein, höher, schneller, weiter. Hauptsache ich! Geld- und Machtgier.  Darauf beruhen fast alle Übel von Krieg, Waffenlieferungen, Diktaturen, Ausbeutung von Arbeiter*Innen, Börsenspekulationen,

Und wie sollen wir fortan sein? Ein „neuer Mensch“: Christus ähnlich = Christ-lich, d.h. aus der Liebe heraus. Spuren in den Herzen der Menschen hinterlassen, wie der jüngere Sohn. Und zwar indem wir von Gottes Liebe, Güte, Zugewandtheit und Barmherzigkeit erzählen und sie erfahrbar machen .Die Motivation ist die Liebe zu Gott, die Begeisterung für Gott, der die Liebe ist.

PAUSE

Bei uns Menschen legt sich manche Begeisterung  leider schnell, wenn es schwierig wird oder wir Gegenwind spüren. Dann heißt es weiter auf  Gott vertrauen, darauf, dass Jesus da ist. Davon wird im Markusevangelium berichtet. Können wir treu und vertrauensvoll  bleiben… auch wenn nicht alles so läuft, wie wir es uns wünschen oder wie es bisher so schön glatt gelaufen ist? Bei der KAB erleben wir Unsicherheit angesichts sinkender Mitgliederzahlen, die Konzepte der „guten alten Zeit“ greifen nicht mehr. Auch die Jünger werden überrascht und durchgeschüttelt. Wir Menschen zweifeln an Gott, seinem Dasein, daran dass wir ihm wichtig sind. Wir fragen uns, warum er manches zulässt oder uns Menschen zumutet. Wenn es stürmisch wird, ob im Privatleben, auf politischer Ebene oder in der Kirche, fragen wir nach Gott. Aber wir dürfen uns daran erinnern, dass, Jesus mit uns im Boot ist. Wir müssen nicht ganz allein gegen den Sturm anrudern. Die Frage: „Was ist das für ein Mensch?“ ist entscheidend. Wer ist Christus für uns und was können wir also für ein neuer Mensch sein, ist immer wieder zu klären. Und als Begleiter, Motivator, Unterstützer schenkt Gott uns die Hl Geistkraft…die weht wo sie will.

Wir aber wollen oft, dass Gott eingreift. Aber natürlich nur genau so, wie wir es uns wünschen!

Gott ist da für uns. Jesus erhört die Rufe und gebietet den Wellen auf dem See still zu schweigen. Aber, er hat sich gewundert, dass die Jünger nach ihm geschrien haben.

Ich frage mich: Produzieren wir – auch in unserem Verband -  nicht manche Stürme oder Grabenkämpfe selbst? Kämpfen für unsere je eigenen Interessen? Wenn wir uns auf das Wesentliche besinnen, können wir manche internen Böen selbst beruhigen. Und Jesus scheint von etwas frischen Wind nicht besonders beunruhigt zu sein. Manchmal ist frischer Wind besser als ewiges Verharren in altbekannten Sicherheiten.

Die Bibel und den Aufruf zur Nachfolge Christi verstehe ich, insbesondere für die KAB so:

Die Menschen in ihren Bedürfnissen und ihrer Not sehen, ihnen zuhören, bei Ihnen sein, mit Ihnen Gemeinschaft haben. Uns entsprechend der katholischen Soziallehre für sie einsetzen, den Mensch über den Profit stellen, für seine Rechte kämpfen, dem kapitalistischen Sturm Einhalt gebieten, soweit es uns möglich ist. So wie wir es für die in der Pflege Beschäftigten getan haben und weiter tun und indem wir die Digitalisierung kritisch begleiten und uns für gute Regelungen für Arbeitnehmer*Innen einsetzen.

Die Herzen der Menschen berühren, sie motivieren, ermutigen und bestärken, sich selbst einzusetzen und aktiv zu werden.

Unsere Quelle und Motivation, d.h. unseren Glauben zeigen und erlebbar machen. Wir sind nicht nur irgendeine Gewerkschaft. Wir sind nicht zufällig  sozial engagiert. Wir sind die Katholische Bewegung für Arbeitnehmende. Uns liegen die Menschen am Herzen, weil wir Christ*Innen sind, weil sie unsere Schwestern und Brüder sind, weil wir alle die gleiche Würde, die gleichen Rechte als Gottes Kinder haben. Wir haben einen Auftrag: versuchen, die Welt so zu gestalten, wie Gott sie möchte! Unsere Mitmenschen spüren lassen, dass Gott es gut mit Ihnen meint, dass er ein Leben in Fülle für sie will, nicht nur im Himmel, sondern schon hier auf Erden.

Daher ist Verbandsspiritualität nicht irgendetwas was es halt traditionell gibt. Das K heißt nicht nur: wir bekommen Gelder von den  Diözesen. Das Katholische in seinem besten Sinne ist unser Wesenskern als KAB, unser Markenzeichen!

Für uns als Katholik*Innen in dieser Institution Kirche heißt das meines Erachtens:

Glaubwürdiges Zeugnis abgeben,  auf Menschen zugehen, sie auf Augenhöhe annehmen, uns immer wieder aufraffen, uns für andere einzusetzen, zuhören, niemanden ablehnen oder ausschließen. Gerade da die katholische Kirche als Institution so viel Glaubwürdigkeit und Vertrauen verspielt hat. Ich wünsche mir, dass durch uns als Verband und durch das Zeugnis von jeder und jedem einzelnen erlebbar wird, dass es Katholik*Innen nicht in erster Linie um Macht, Kirchengesetze, Hierarchien oder Geschlechterrollenzuweisungen geht, sondern um Gottes Liebe und Nachfolge Christi. Er hat uns eindeutig ganz anderes vorgelebt, als wir es momentan leider oft von d e r  Kirche erleben. Aber als Verband sind wir auch Kirche!

Und so danke ich, dass es mir in der KAB möglich ist, als Frau und Laiin stellvertretende geistliche Leiterin in der DRS zu sein und dass ich heute hier bei der Messe im Rahmen der Bundes Delegierten Konferenz predigen durfte. Das ist ein starkes zukunftsweisendes Zeichen.“

Annehmen – Loslassen – Eins-werden

Die Fastenzeit geht dem Ende entgegen und die Ostertage stehen vor der Tür. Die Tage von Gründonnerstag bis Ostern können uns Lehrmeister für unser Leben sein.

Liebe KAB Mitglieder, liebe Schwestern und Brüder,

die Fastenzeit geht dem Ende entgegen und die Ostertage stehen vor der Tür. Die Tage von Gründonnerstag bis Ostern können uns Lehrmeister für unser Leben sein:

Annehmen – Loslassen – Eins-werden.

Der Gründonnerstag steht für „Annehmen“.                                 

Jesus nimmt seinen göttlichen Auftrag an, er gestaltet sogar den Abschied mit seinen Freunden, gibt ihnen durch die Fußwaschung sogar noch ein Zeichen und eine Haltung mit auf ihren weiteren Weg. Er nimmt das Gegebene an und versucht es aktiv zu gestalten.

Der Karfreitag steht für "Loslassen".                                                                                                                                              Jesus begibt sich in die Hand derer, die ihm Schlechtes zu Teil werden lassen. Er liefert sich aus und gibt sich in die Hand von Menschen. Er verlässt seine Freunde, geht seinen Weg, trennt sich von allem. Er leidet und lässt schließlich seinen eigenen Willen und am Ende sein Leben los.

Ostern steht für Ostern steht für "Eins-werden".
                                                                                                                                               Jesus wird im und durch den Tod hindurch eins mit seinem Vater. Er ist Mensch und Gott zugleich.  Das Annehmen und das Loslassen, sein gegangener Weg und sein Tod werden vollendet, bekommen ihren Sinn.

Annehmen – Loslassen – „Eins-werden"

Auch wir müssen in diesen Tagen manches erleben, was uns schwer fällt. Sei es Einsamkeit, sei es die Sorge, wie es weitergeht nach der Pandemie, oder gar die Angst um die eigene Gesundheit, die Existenz oder um das eigene Leben. Wir müssen verzichten, auf Begegnung, Vergnügen, Feiern. Vielleicht können uns die Grundhaltungen Jesu dabei helfen.

Annehmen muss nicht heißen gleichgültig oder blauäugig zu sein! Annehmen kann heißen, ich bin mir meiner Endlichkeit bewusst, daher dankbar für alles, was mir geschenkt ist, das Leben, die Menschen, die es mit mir teilen, mein Dach über dem Kopf, mein Auskommen usw.. Die frühen Theologen meinten im Zusammenhang mit der Mensch-werdung Gottes, dass alles, was nicht angenommen wird, auch nicht erlöst werden kann. Annehmen bedeutet oft auch, mit den Mitteln und Fähigkeiten, die ich habe, das Aktuelle zu gestalten.

Loslassen muss nicht heißen mittellos zu werden! Es kann aber bedeuten, dass ich mich auf das Wesentliche im Leben besinne. Es kann aber bedeuten, dass ich lieb gewordenes lassen muss, dass ich manches verliere. Das führt dazu, mich aufs Wesentliche zu besinnen. Was ist mir wichtig, was bedeutsam für mich? Welche Werte möchte ich Leben, welche nicht….

„Eins werden“ muss nicht heißen, sich zu vergessen, zu verlieren. Die Theologie spricht davon, dass Gott Mensch wurde und der Mensch göttlich. Diese Verbundenheit ermöglichte Jesus im Namen Gottes zu wirken, seinen Willen zu tun. Wenn wir uns für Gott öffnen, dass er in und durch uns wirken kann, dann lassen wir uns auch berühren von seiner Kraft. Die Kraft, die seinen Sohn ermächtigte am dritten Tage aufzuerstehen. Dies kann uns motivieren und stärken im täglichen Tun und unserem Handeln.

Annehmen – Loslassen – „Eins werden“

Gehen wir doch im zweiten Jahr dieser Pandemie mit diesen 3 Begriffen in die Kar- und Osterfeiertage und schöpfen wir Kraft in unserem Glauben, dass Gott uns alle liebt, so sehr, dass er uns in Not und Tod zur Seite ist.
In diesem Sinne wünsche ich Euch und Ihnen gesegnete Kar- und Osterfeiertage!

Diakon Matthias Schneider, Diözesanpräses
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Impuls Ostern zum Herunterladen

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Liebe KAB- Freundinnen und Freunde,

wir feiern in diesem Jahr eine Adventszeit, die sich in unserem Gedächtnis festsetzen wird. In einigen Jahren wird es vermutlich öfters heißen: „Der Advent im Jahr 2020 war ein ganz besonderer Advent….“

Heute, jetzt, wenn wir mittendrin sind, fällt es uns jedoch meist schwer uns damit abzufinden. Ist doch der Advent eher eine Zeit, in der wir es uns mit unseren Lieben zusammen gemütlich machen, enger zusammen-rücken, gemeinsam Tee oder Kaffee trinken und bei Kerzenschein behaglich und besinnlich miteinander singen, sprechen oder einfach nur da sind.

In “Coronazeiten“ ist uns genau dieses untersagt. Keine Gemeinschaft, kein wohliges behagliches gemeinsames Tee trinken, kein gemeinsames Singen.

Aber wir wollen nicht klagen:

„Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf.“ (Einheitsübersetzung 2016)

So heißt es bei Jesaja 9, Vers 1, in dem die Ankunft des Messias angedeutet wird. Auch uns ist dies zugesprochen! Gott wird Mensch, er wird einer von uns, durchlebt menschliche Gefühle wie Freude, Glück, Sorgen und Ängste. Lernt menschliches Leben hautnah kennen. So kann er auch für uns Licht werden, er, der uns ganz versteht, ganz kennt bis tief in uns hineinsehen kann und uns liebt, ohne Vorbedingung. Das darf und kann uns Mut und Kraft geben, auch in diesen schwierigen Zeiten.

Manchmal hilft es schon ein Licht an zu zünden im Wissen um Gottes Liebe zu uns. Eine Kerze zu entzünden im festen Glauben, dass er bei uns ist gerade jetzt, ja immer. Dazu lade ich ein, besonders in der diesjährigen Adventszeit. Zündet ein Licht an, lasst es strahlen, für Euch, aber auch für die anderen Menschen um Euch herum.

Werdet selbst zum Licht für Andere, in dem Ihr den Kontakt zu Ihnen sucht und haltet. Indem Ihr nachfragt, wie es Ihnen geht, ob sie Hilfe brauchen. 

Mit lieben adventlichen Grüßen, verbunden in Gedanken und im Gebet, dem Wunsche ihr möget gesund bleiben und der Bitte um Gottes Segen für Euch und Eure Lieben!

Matthias Schneider, Diözesanpräses

Spiritueller Impuls zu Pfingsten

Liebe KAB-Mitglieder und Interessierte,
an dieser Stelle möchte  ich mich bei Ihnen als neue stellvertretende geistliche Leiterin der KAB Rottenburg-Stuttgart vorstellen. Ich heiße Heidrun Krismer, bin 52 Jahre alt, bin  Apothekerin, Psychologische Beraterin und Seelsorgerin, bin verheiratet, habe zwei erwachsene Söhne und gehöre zur Ortsgruppe Kirchentellinsfurt.
Spiritualität heißt, das Ausleben des Glaubens. Das kann ganz individuell unterschiedlich in Gottesdiensten, Andachten, Rosenkranz- oder Taizegebeten, freiem persönlichem Gebet, singend, tanzend, durch Lesen der Bibel oder anderer geistlicher Anregungen oder aber im vom Glauben getragenen Tun gelebt werden.


Die Situation am Pfingstsamstag:

Damals: Die Anhänger Jesu sitzen eingeschlossen in einem Raum. Sie sind ängstlich, verunsichert, die Klarheit ist seit Ostern weg. Was vertraut und normal war, ist nicht mehr.  Jesus, der Perspektive gegeben hat, dem sie folgen konnten, der ihnen vieles erklärt und sie begeistert hat, ist gekreuzigt. Er ist auferstanden an Ostern, ja, aber wie soll es nun weitergehen?

Und heute bei uns? Alls ist verändert durch die Pandemie. Sicher Geglaubtes ist plötzlich in Frage gestellt, Gewohnheiten müssen verändert werden. Auch wir erleben große Verunsicherung, unser Wissen ist begrenzt, wir waren und sind z.T. eingeschlossen, viele erleben Einsamkeit und Isolation, viele leiden unter Angst und Überforderung, viele müssen mit Einkommensverlusten oder gar völligen Verdienstverlust zurechtkommen, Angst um den Arbeitsplatz wird wieder zu einem Thema.

Der Pfingstsonntag:

Damals: Laut Apostelgeschichte hatte sich an den äußeren Gegebenheiten nichts verändert. Aber die Jünger werden beseelt vom Heiligen Geist mit Glaube und Hoffnung. Sie sind entbrannt und begeistert, sie haben erkannt, was wirklich wichtig ist und trauen sich nun zu, zu reden. Das ist der eine Teil des Wunders. Der andere ist, dass es bei all den anderen ganz verschiedenen Menschen ankommt. Niemand muss irgendwelche Voraussetzungen erfüllen, z.B. aramäisch oder griechisch sprechen oder verstehen können. Die Botschaft Gottes kommt in jede noch so unterschiedliche Lebenswelt.

Heute: Ich wünsche uns, dass auch wir erkennen, was wirklich wichtig ist. Ich hoffe, dass auch unser Herz und Mund sich auftut, dass wir eintreten für das, was sich aus unserem Glauben, unseren christlichen Werten ergibt. Das kann für mich nichts mit Machtgier, Geldgier, eigenen Vorteilen, Panikmache, Spaltung, Hetze bis hin zu Morddrohungen zu tun haben! Überlassen wir nicht anderen das Feld. Nehmen wir den Auftrag unseres Gottes, der Liebe und in seiner Dreieinigkeit Beziehung ist, an. Wir sollen uns nicht zurückziehen ins stille Kämmerlein und verstummen, sondern Liebe in unsere Welt bringen, damit sie für unsere Nächsten ein Stückchen besser wird. Und das Tun ja derzeit auch sehr viele.

Das tut auch die KAB: wir setzen uns solidarisch für Benachteiligte ein, sowohl hier in Deutschland als auch in unserer Partnerdiözese in Uganda. Wir kämpfen für gute Arbeitsbedingungen, momentan mit besonderen Aktivitäten zur Pflege. Gerade in dieser Zeit von Corona merken wir, wie schwer und gefährlich aber vor allem auch lebenswichtig die Arbeit ist, die die Pflegekräfte für uns alle leisten. Wir engagieren uns auch zukunftsweisend mit dem Schwerpunkt Digitalisierung. Wir wollen, dass die Chancen genutzt werden, aber wir wollen die Bedingungen mitgestalten, sodass es nicht zum Vorteil einiger Weniger und  zum Nachteil vieler wird. Wir wollen, dass es keine ausgebrannten Homeoffice-Arbeiter und keine ausgebeuteten, rechtlosen Cloudworker gibt.

Der Pfingstmontag:

Dass es ihn gibt, zeigt, wie wichtig dieses Fest ist. Einen zweiten Feiertag gibt es bei uns nur an Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Es zeigt auch, dass nach diesem einen Erinnerungstag eben nicht alles vorbei ist.

Unsere Konsumindustrie nutzt Weihnachten zur Umsatzsteigerung durch Weihnachtsschmuck, Leckereien und maßlos teure Geschenke. Am 26.12. bauen viele den Tannenbaum schon wieder ab, weil sie die Nase voll haben. Für christliche Menschen aber beginnt mit Weihnachten erst das Leben und die Verkündigung Christi.                                                                                                                                    Ebenso werden wir vor Ostern animiert, viel Frühlingsdekoration, massenhaft Schokohasen, Süßigkeiten und möglichst nochmal Geschenke zu kaufen. Ab Osterdienstag ist alles vorbei.  Für christliche Menschen aber heißt Ostern, dass eben nicht alles vorbei ist, sondern es mit dem Christentum erst richtig losgeht. Wir sind gefragt, diesen Glauben an Auferstehung aus dem Leid, an Liebe und Erneuerung in die Welt zu tragen.

Und Pfingsten? Damit kann die Konsumgesellschaft kein Kapital machen.  Naja, zum Glück gibt es Ferien. Für christliche Menschen aber ist Pfingsten eine riesige Ermutigung: wir müssen nicht ängstlich und verzagt sein. Wie versprochen, wird uns ein Beistand und Begleiter, der Heilige Geist, gesandt. Er belebt, erfüllt mit Begeisterung, Hoffnung, Tatkraft. Auch Pfingsten ist auf die Zukunft ausgerichtet. Wir werden beauftragt und befähigt, an der Welt und der Kirche mitzubauen.

 

So wollen wir die uns anvertraute Welt gestalten im Auftrag  Gottes, der uns Vater und Mutter ist, orientiert am Beispiel Jesu, unseres Bruders, mit Hilfe der heiligen Geistkraft zum Wohle aller Menschen. Das kann jede und jeder auch im privaten Umfeld tun in der je eigenen „Sprache“, Art und Weise je nach Kraft, Begabung.

So wünsche ich uns allen, besonders den Einsamen und Verzagten, den Geist der Liebe, der Unterscheidung der Geister, der Kraft, der Besonnenheit, des Trostes.

 „Komm, Heiliger Geist, und mache die Erde neu!“

 Mit pfingstlichen Grüßen

Heidrun Krismer

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Ein Rückblick auf das Jahr 2020

25. Mai 2045, ich blicke zurück auf mein Leben und die großen Veränderungen, die es in der Gesellschaft gab.

Ich bin heute 90 Jahre alt und ein Nachkriegskind. Zeiten von struktureller und konjunktureller Arbeitslosigkeit, die Fukushima Katastrophe und andere einschneidende Ereignisse brachten tiefgreifende Veränderungen in meinem Leben mit sich.

Den größten Wandel in der Gesellschaft brachte die Corona Pandemie 2020 mit sich. Der wochenlange Shutdown schaffte eine neue Normalität. Es funktioniere einfach nicht mehr an den sogenannten Normalzustand vor der Corona Krise anzuknüpfen; weil die Menschen aufgewacht sind. Sie haben entdeckt was zu einem guten Leben gehört.

Deshalb wurde normal was sich zuvor keiner erträumt hätte:

·         dass die Menschen regional und saisonal bei ihren Geschäften um die
          Ecke einkauften und nicht bei online Händlern. Sie stärkten so die lokale
          Wirtschaft und vor allem die Bauern im Land.

·         dass Kredite und Zuschüsse der Regierung dem ökosozialen Umbau der
          Wirtschaft dienten und dadurch viele neue Arbeitsplätze geschaffen
           wurden.

·         dass der globale Welthandel fair und nachhaltig gestaltet wurde. Die
          neue Globalisierung dient heute der weltweiten Verständigung
          internationaler Finanzpolitik und globaler Solidarität mit dem Süden und
          nicht der Profitmaximierung.

·         dass die Gesundheit keine Ware mehr war und schon gar nicht die Pflege
          älterer Menschen. Der medizinische Sachverstand geht wieder vor dem
          monetären Druck. Pflegekräfte werden fair entlohnt und haben wieder
          mehr Zeit für die Patienten. Durch die besseren Arbeitsbedingungen in
          der Pflege, wollen wieder mehr Menschen in einem Pflegeberuf
          arbeiten.   Nun kann ich mir beruhigt mit meinen 90 Jahren einen Platz
          im Betreuten Wohnen suchen.

·         dass wir demütig vor der Natur und den Menschenleben wurden. Aus
          dieser Haltung heraus entstand eine neue weltweite Solidarität.

·         dass wir Videokonferenzen und Telefonmeetings durchführten und
          dadurch viele Dienstreisen eingespart wurden, so konnten wir alle einen
          Beitrag zum Schutz der Natur und einer sauberen Luft leisten.

·         dass der arbeitsfreie Sonntag eine neue Bedeutung erlangte. Er wurde    
          ein kollektiver Ruhetag der Gesellschaft, als Erinnerung an 2020. Die
          Menschen erkannten, dass die Entschleunigung durch der Shutdown
          allen Menschen und der Natur gutgetan hat.

·         dass alle paar Sonntagabende gemeinsame von den Terrassen und
          Balkonen musiziert wurde. Die Sehnsucht nach persönlichen
          Begegnungen aus der Corona Zeit ist geblieben. Man trifft sich in der
          Nachbarschaft auf ein Gläschen und zu einem netten Schwätzchen. Der
          Kontakt zwischen Alt und Jung, zwischen Fremden und Einheimischen,
          Armen und Reichen wurde normal.

Ach ja, wenn ich so mit 90 Jahren zurückblicke, brachte die Corona Pandemie auch viel Positives mit sich. In all den Jahren habe ich gespürt, Gott ist da, ist in unserer Welt und es wird gut!

Peter Niedergesäss, Diözesansekretär der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung(KAB)

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Gedanken zu der Corona-Krise

Degerloch im Mai 2020                                                                                     

Liebe KAB-Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde

heute habe ich mich dazu entschlossen, Ihnen, als Ihr Diözesanpräses, einen kurzen Gruß aus Degerloch zu senden. Ich hoffe, Sie sind alle gesund und haben Kontakte zur Außenwelt. Die letzten Wochen waren für uns alle nicht einfach! Beschränkungen des täglichen Lebens, Umstellungen, Kontaktsperren, Kinder und Enkeln nicht nahe sein zu können, keine Besuche, Lebens- und Existenzängste, Einsamkeit, Hilflosigkeit, Sorgen und Machtlosigkeit. Dies sind wohl vorwiegend die Themen, die uns beschäftigen. Gottesdienste konnten wir bis jetzt nur im Fernsehen, Internet oder Radio feiern. Aber das, was ein wichtiger Wert unserer Gottesdienste ausmacht, die Gemeinschaft, drückt sich nur im Gefühl  der Verbundenheit aus, lässt sich dabei aber nur schwer fühlen oder gar spüren. Nun treibt uns die Frage um, ob es richtig ist, die Lockerungen so schnell durchzuführen, ob die Pandemie noch stärker zurückkehrt, oder auch: wie die Zukunft aussieht, wenn uns „Corona“ noch einige Jahre, wie manche sagen, begleiten wird.

Ich persönlich frage mich auch, in was für einer Gesellschaft wir Leben, in der die Gewalt gegen Frauen und Kinder messbar steigt, wenn Familien gezwungen sind zu Hause zusammen zu sein. Was sagt es über unser Zusammenleben aus, wenn dies nur friedlich gelingt, solange Konsum und Events nicht verboten, oder stark eingeschränkt sind. Sind wir nicht mehr fähig, uns mit uns selbst, oder mit unseren Lieben zu beschäftigen? Funktioniert ein gutes Leben nur dann, wenn wir abgelenkt sind und uns mit Dingen beschäftigen, die uns daran hindern über uns und den Sinn unseres Lebens nachzudenken? Sie sehen, es bleibt viel Zeit, sich selbst mit Fragen auseinander zu setzen, oder nachzudenken in diesen Tagen. Auch ich habe keine Antworten auf diese Fragen, wollte sie jedoch einfach stellen.

Auch in der Verbandsarbeit unserer KAB gibt es, bedingt durch Corona Umstellungen und Änderungen. Der Kontakt zu den Mitgliedern ist noch schwieriger geworden und findet leider nur vereinzelt statt. Auch im Arbeitsalltag hat sich manches verändert. So galt es die Arbeitsbedingungen an die neue Situation anzupassen. Dies macht sich im täglichen Tun bemerkbar, in Gesprächen ,mit Abstand, in Konferenzen per video oder Telefon. Man sieht sich weniger, home-office funktioniert, fordert aber auch Selbstdisziplin. Ich spüre, wie wichtig doch die persönliche Begegnung und das persönliche Gespräch ist. Wie wichtig es ist leise Töne wahrzunehmen, Gesichter zu sehen…..

In der Vorbereitung der diesjährigen Besinnungstage im September, die sich in diesem Jahr mit den 14 Nothelfern beschäftigen, wurde mir bewusst, dass Menschen schon seit jeher mit Situationen wie der jetzigen zu kämpfen hatten. Denken wir an die großen Epidemien der letzten Jahrhunderte, oder an die ganz persönlichen Schicksalsschläge jedes Menschen. Immer hat auch der Glaube den Menschen geholfen, solche schweren Zeiten zu überstehen und die Hoffnung nicht zu verlieren.

Dies möchte ich Ihnen und Euch allen in diesen Tagen und Wochen besonders zusprechen:

Die Hoffnung durch den Glauben an einen liebenden Gott, der Jede und Jeden von uns annimmt. Der es letztlich immer gut mit uns meint. Der bei uns ist im Leben und im Tod und der uns durch seinen Sohn aufträgt beieinander zu sein, gemeinschaftlich und solidarisch zu Handeln an allen, die es brauchen.

Ich lade Sie und Euch ein, jeden Tag zur Mittagszeit ein „Vater unser“ zu beten, für alle, die in diesen Tagen besonders zu leiden haben, weil sie sich Sorgen machen um Arbeit oder Menschen, weil sie einsam sind, weil sie Angst um ihre Gesundheit, ihren Arbeitsplatz und ihre Zukunft haben. Auf diese Weise sind wir solidarisch untereinander und mit denen verbunden, die unsere Gedanken und unser Gebet besonders brauchen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben alles Gute, besonders Gesundheit und Gottes Segen

Ihr/Euer Diözesanpräses
Diakon Matthias Schneider

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