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Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart

Spirituelles

Spiritueller Impuls zu Pfingsten

Liebe KAB-Mitglieder und Interessierte,
an dieser Stelle möchte  ich mich bei Ihnen als neue stellvertretende geistliche Leiterin der KAB Rottenburg-Stuttgart vorstellen. Ich heiße Heidrun Krismer, bin 52 Jahre alt, bin  Apothekerin, Psychologische Beraterin und Seelsorgerin, bin verheiratet, habe zwei erwachsene Söhne und gehöre zur Ortsgruppe Kirchentellinsfurt.
Spiritualität heißt, das Ausleben des Glaubens. Das kann ganz individuell unterschiedlich in Gottesdiensten, Andachten, Rosenkranz- oder Taizegebeten, freiem persönlichem Gebet, singend, tanzend, durch Lesen der Bibel oder anderer geistlicher Anregungen oder aber im vom Glauben getragenen Tun gelebt werden.


Die Situation am Pfingstsamstag:

Damals: Die Anhänger Jesu sitzen eingeschlossen in einem Raum. Sie sind ängstlich, verunsichert, die Klarheit ist seit Ostern weg. Was vertraut und normal war, ist nicht mehr.  Jesus, der Perspektive gegeben hat, dem sie folgen konnten, der ihnen vieles erklärt und sie begeistert hat, ist gekreuzigt. Er ist auferstanden an Ostern, ja, aber wie soll es nun weitergehen?

Und heute bei uns? Alls ist verändert durch die Pandemie. Sicher Geglaubtes ist plötzlich in Frage gestellt, Gewohnheiten müssen verändert werden. Auch wir erleben große Verunsicherung, unser Wissen ist begrenzt, wir waren und sind z.T. eingeschlossen, viele erleben Einsamkeit und Isolation, viele leiden unter Angst und Überforderung, viele müssen mit Einkommensverlusten oder gar völligen Verdienstverlust zurechtkommen, Angst um den Arbeitsplatz wird wieder zu einem Thema.

Der Pfingstsonntag:

Damals: Laut Apostelgeschichte hatte sich an den äußeren Gegebenheiten nichts verändert. Aber die Jünger werden beseelt vom Heiligen Geist mit Glaube und Hoffnung. Sie sind entbrannt und begeistert, sie haben erkannt, was wirklich wichtig ist und trauen sich nun zu, zu reden. Das ist der eine Teil des Wunders. Der andere ist, dass es bei all den anderen ganz verschiedenen Menschen ankommt. Niemand muss irgendwelche Voraussetzungen erfüllen, z.B. aramäisch oder griechisch sprechen oder verstehen können. Die Botschaft Gottes kommt in jede noch so unterschiedliche Lebenswelt.

Heute: Ich wünsche uns, dass auch wir erkennen, was wirklich wichtig ist. Ich hoffe, dass auch unser Herz und Mund sich auftut, dass wir eintreten für das, was sich aus unserem Glauben, unseren christlichen Werten ergibt. Das kann für mich nichts mit Machtgier, Geldgier, eigenen Vorteilen, Panikmache, Spaltung, Hetze bis hin zu Morddrohungen zu tun haben! Überlassen wir nicht anderen das Feld. Nehmen wir den Auftrag unseres Gottes, der Liebe und in seiner Dreieinigkeit Beziehung ist, an. Wir sollen uns nicht zurückziehen ins stille Kämmerlein und verstummen, sondern Liebe in unsere Welt bringen, damit sie für unsere Nächsten ein Stückchen besser wird. Und das Tun ja derzeit auch sehr viele.

Das tut auch die KAB: wir setzen uns solidarisch für Benachteiligte ein, sowohl hier in Deutschland als auch in unserer Partnerdiözese in Uganda. Wir kämpfen für gute Arbeitsbedingungen, momentan mit besonderen Aktivitäten zur Pflege. Gerade in dieser Zeit von Corona merken wir, wie schwer und gefährlich aber vor allem auch lebenswichtig die Arbeit ist, die die Pflegekräfte für uns alle leisten. Wir engagieren uns auch zukunftsweisend mit dem Schwerpunkt Digitalisierung. Wir wollen, dass die Chancen genutzt werden, aber wir wollen die Bedingungen mitgestalten, sodass es nicht zum Vorteil einiger Weniger und  zum Nachteil vieler wird. Wir wollen, dass es keine ausgebrannten Homeoffice-Arbeiter und keine ausgebeuteten, rechtlosen Cloudworker gibt.

Der Pfingstmontag:

Dass es ihn gibt, zeigt, wie wichtig dieses Fest ist. Einen zweiten Feiertag gibt es bei uns nur an Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Es zeigt auch, dass nach diesem einen Erinnerungstag eben nicht alles vorbei ist.

Unsere Konsumindustrie nutzt Weihnachten zur Umsatzsteigerung durch Weihnachtsschmuck, Leckereien und maßlos teure Geschenke. Am 26.12. bauen viele den Tannenbaum schon wieder ab, weil sie die Nase voll haben. Für christliche Menschen aber beginnt mit Weihnachten erst das Leben und die Verkündigung Christi.                                                                                                                                    Ebenso werden wir vor Ostern animiert, viel Frühlingsdekoration, massenhaft Schokohasen, Süßigkeiten und möglichst nochmal Geschenke zu kaufen. Ab Osterdienstag ist alles vorbei.  Für christliche Menschen aber heißt Ostern, dass eben nicht alles vorbei ist, sondern es mit dem Christentum erst richtig losgeht. Wir sind gefragt, diesen Glauben an Auferstehung aus dem Leid, an Liebe und Erneuerung in die Welt zu tragen.

Und Pfingsten? Damit kann die Konsumgesellschaft kein Kapital machen.  Naja, zum Glück gibt es Ferien. Für christliche Menschen aber ist Pfingsten eine riesige Ermutigung: wir müssen nicht ängstlich und verzagt sein. Wie versprochen, wird uns ein Beistand und Begleiter, der Heilige Geist, gesandt. Er belebt, erfüllt mit Begeisterung, Hoffnung, Tatkraft. Auch Pfingsten ist auf die Zukunft ausgerichtet. Wir werden beauftragt und befähigt, an der Welt und der Kirche mitzubauen.

 

So wollen wir die uns anvertraute Welt gestalten im Auftrag  Gottes, der uns Vater und Mutter ist, orientiert am Beispiel Jesu, unseres Bruders, mit Hilfe der heiligen Geistkraft zum Wohle aller Menschen. Das kann jede und jeder auch im privaten Umfeld tun in der je eigenen „Sprache“, Art und Weise je nach Kraft, Begabung.

So wünsche ich uns allen, besonders den Einsamen und Verzagten, den Geist der Liebe, der Unterscheidung der Geister, der Kraft, der Besonnenheit, des Trostes.

 „Komm, Heiliger Geist, und mache die Erde neu!“

 Mit pfingstlichen Grüßen

Heidrun Krismer

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Ein Rückblick auf das Jahr 2020

25. Mai 2045, ich blicke zurück auf mein Leben und die großen Veränderungen, die es in der Gesellschaft gab.

Ich bin heute 90 Jahre alt und ein Nachkriegskind. Zeiten von struktureller und konjunktureller Arbeitslosigkeit, die Fukushima Katastrophe und andere einschneidende Ereignisse brachten tiefgreifende Veränderungen in meinem Leben mit sich.

Den größten Wandel in der Gesellschaft brachte die Corona Pandemie 2020 mit sich. Der wochenlange Shutdown schaffte eine neue Normalität. Es funktioniere einfach nicht mehr an den sogenannten Normalzustand vor der Corona Krise anzuknüpfen; weil die Menschen aufgewacht sind. Sie haben entdeckt was zu einem guten Leben gehört.

Deshalb wurde normal was sich zuvor keiner erträumt hätte:

·         dass die Menschen regional und saisonal bei ihren Geschäften um die
          Ecke einkauften und nicht bei online Händlern. Sie stärkten so die lokale
          Wirtschaft und vor allem die Bauern im Land.

·         dass Kredite und Zuschüsse der Regierung dem ökosozialen Umbau der
          Wirtschaft dienten und dadurch viele neue Arbeitsplätze geschaffen
           wurden.

·         dass der globale Welthandel fair und nachhaltig gestaltet wurde. Die
          neue Globalisierung dient heute der weltweiten Verständigung
          internationaler Finanzpolitik und globaler Solidarität mit dem Süden und
          nicht der Profitmaximierung.

·         dass die Gesundheit keine Ware mehr war und schon gar nicht die Pflege
          älterer Menschen. Der medizinische Sachverstand geht wieder vor dem
          monetären Druck. Pflegekräfte werden fair entlohnt und haben wieder
          mehr Zeit für die Patienten. Durch die besseren Arbeitsbedingungen in
          der Pflege, wollen wieder mehr Menschen in einem Pflegeberuf
          arbeiten.   Nun kann ich mir beruhigt mit meinen 90 Jahren einen Platz
          im Betreuten Wohnen suchen.

·         dass wir demütig vor der Natur und den Menschenleben wurden. Aus
          dieser Haltung heraus entstand eine neue weltweite Solidarität.

·         dass wir Videokonferenzen und Telefonmeetings durchführten und
          dadurch viele Dienstreisen eingespart wurden, so konnten wir alle einen
          Beitrag zum Schutz der Natur und einer sauberen Luft leisten.

·         dass der arbeitsfreie Sonntag eine neue Bedeutung erlangte. Er wurde    
          ein kollektiver Ruhetag der Gesellschaft, als Erinnerung an 2020. Die
          Menschen erkannten, dass die Entschleunigung durch der Shutdown
          allen Menschen und der Natur gutgetan hat.

·         dass alle paar Sonntagabende gemeinsame von den Terrassen und
          Balkonen musiziert wurde. Die Sehnsucht nach persönlichen
          Begegnungen aus der Corona Zeit ist geblieben. Man trifft sich in der
          Nachbarschaft auf ein Gläschen und zu einem netten Schwätzchen. Der
          Kontakt zwischen Alt und Jung, zwischen Fremden und Einheimischen,
          Armen und Reichen wurde normal.

Ach ja, wenn ich so mit 90 Jahren zurückblicke, brachte die Corona Pandemie auch viel Positives mit sich. In all den Jahren habe ich gespürt, Gott ist da, ist in unserer Welt und es wird gut!

Peter Niedergesäss, Diözesansekretär der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung(KAB)

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Gedanken zu der Corona-Krise

Degerloch im Mai 2020                                                                                     

Liebe KAB-Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde

heute habe ich mich dazu entschlossen, Ihnen, als Ihr Diözesanpräses, einen kurzen Gruß aus Degerloch zu senden. Ich hoffe, Sie sind alle gesund und haben Kontakte zur Außenwelt. Die letzten Wochen waren für uns alle nicht einfach! Beschränkungen des täglichen Lebens, Umstellungen, Kontaktsperren, Kinder und Enkeln nicht nahe sein zu können, keine Besuche, Lebens- und Existenzängste, Einsamkeit, Hilflosigkeit, Sorgen und Machtlosigkeit. Dies sind wohl vorwiegend die Themen, die uns beschäftigen. Gottesdienste konnten wir bis jetzt nur im Fernsehen, Internet oder Radio feiern. Aber das, was ein wichtiger Wert unserer Gottesdienste ausmacht, die Gemeinschaft, drückt sich nur im Gefühl  der Verbundenheit aus, lässt sich dabei aber nur schwer fühlen oder gar spüren. Nun treibt uns die Frage um, ob es richtig ist, die Lockerungen so schnell durchzuführen, ob die Pandemie noch stärker zurückkehrt, oder auch: wie die Zukunft aussieht, wenn uns „Corona“ noch einige Jahre, wie manche sagen, begleiten wird.

Ich persönlich frage mich auch, in was für einer Gesellschaft wir Leben, in der die Gewalt gegen Frauen und Kinder messbar steigt, wenn Familien gezwungen sind zu Hause zusammen zu sein. Was sagt es über unser Zusammenleben aus, wenn dies nur friedlich gelingt, solange Konsum und Events nicht verboten, oder stark eingeschränkt sind. Sind wir nicht mehr fähig, uns mit uns selbst, oder mit unseren Lieben zu beschäftigen? Funktioniert ein gutes Leben nur dann, wenn wir abgelenkt sind und uns mit Dingen beschäftigen, die uns daran hindern über uns und den Sinn unseres Lebens nachzudenken? Sie sehen, es bleibt viel Zeit, sich selbst mit Fragen auseinander zu setzen, oder nachzudenken in diesen Tagen. Auch ich habe keine Antworten auf diese Fragen, wollte sie jedoch einfach stellen.

Auch in der Verbandsarbeit unserer KAB gibt es, bedingt durch Corona Umstellungen und Änderungen. Der Kontakt zu den Mitgliedern ist noch schwieriger geworden und findet leider nur vereinzelt statt. Auch im Arbeitsalltag hat sich manches verändert. So galt es die Arbeitsbedingungen an die neue Situation anzupassen. Dies macht sich im täglichen Tun bemerkbar, in Gesprächen ,mit Abstand, in Konferenzen per video oder Telefon. Man sieht sich weniger, home-office funktioniert, fordert aber auch Selbstdisziplin. Ich spüre, wie wichtig doch die persönliche Begegnung und das persönliche Gespräch ist. Wie wichtig es ist leise Töne wahrzunehmen, Gesichter zu sehen…..

In der Vorbereitung der diesjährigen Besinnungstage im September, die sich in diesem Jahr mit den 14 Nothelfern beschäftigen, wurde mir bewusst, dass Menschen schon seit jeher mit Situationen wie der jetzigen zu kämpfen hatten. Denken wir an die großen Epidemien der letzten Jahrhunderte, oder an die ganz persönlichen Schicksalsschläge jedes Menschen. Immer hat auch der Glaube den Menschen geholfen, solche schweren Zeiten zu überstehen und die Hoffnung nicht zu verlieren.

Dies möchte ich Ihnen und Euch allen in diesen Tagen und Wochen besonders zusprechen:

Die Hoffnung durch den Glauben an einen liebenden Gott, der Jede und Jeden von uns annimmt. Der es letztlich immer gut mit uns meint. Der bei uns ist im Leben und im Tod und der uns durch seinen Sohn aufträgt beieinander zu sein, gemeinschaftlich und solidarisch zu Handeln an allen, die es brauchen.

Ich lade Sie und Euch ein, jeden Tag zur Mittagszeit ein „Vater unser“ zu beten, für alle, die in diesen Tagen besonders zu leiden haben, weil sie sich Sorgen machen um Arbeit oder Menschen, weil sie einsam sind, weil sie Angst um ihre Gesundheit, ihren Arbeitsplatz und ihre Zukunft haben. Auf diese Weise sind wir solidarisch untereinander und mit denen verbunden, die unsere Gedanken und unser Gebet besonders brauchen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben alles Gute, besonders Gesundheit und Gottes Segen

Ihr/Euer Diözesanpräses
Diakon Matthias Schneider

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