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Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart

10.03.2020

Diözesanverbandstag der KAB 14. März 2020 in Biberach-Rissegg

DIE DIGITALISIERUNG DER ARBEIT ZUM WOHL DER MENSCHEN GESTALTEN

Digitale Arbeit menschenwürdig gestalten. Unter diesem Motto setzen der Verbandstag der Katholischen Arbeitnehmerbewegung - KAB, ein Zeichen angesichts der weitreichenden Folgen der Digitalisierung. Mit großer Sorge über die Folgen einer unkontrollierten Technikentwicklung für die Arbeitnehmer, aber auch für jeden Einzelnen in der Gesellschaft, formuliert die KAB ethische Positionen. Daraus leitet sie ihre Forderungen an die Politik, die Wirtschaft und die Gewerkschaften ab.

“Die sogenannte vierte industrielle Revolution, die neuen Möglichkeiten von Robotik und künstlicher Intelligenz wird alles in Frage stellen, was bisher als soziale Errungenschaft den Arbeitnehmern Sicherheit verschafft hat. In dieser Situation müssen wir uns einmischen, sonst überlassen wir alles den BigData-Konzernen“ beschreibt Ernst Bodenmüller, scheidender Vorsitzender des kirchlichen Sozialverbandes, die Entwicklungen.

 

Paul Schobel, Betriebsseelsorger i.R., der den Leitantrag den Delegierten vorstellte, betont, dass die algorithmen-gesteuerte digitale Fremdbestimmung, nichts schicksalhaftes sei. Es seien mächtige Akteure in Hightech-Konzernen und Zukunftlaboratorien, die die Digitalwirtschaft nach ihren Gesetzen planen. Es gehe ausschließlich im Sinne der Profitsteigerung darum, Daten zu Geld zu verwandeln. So sei jetzt schon in vielen Branchen erkennbar, dass Normalarbeitsverhältnisse und tariflich geregelte Arbeitsbedingungen immer mehr ausgehöhlt werden. Selbstvermarktung und Selbstausbeutung wird von den Crowdworkern abverlangt, die sich auf Internetplattformen verkaufen müssen. Dies geschehe unter völlig unregulierten Bedingungen, was die Entlohnung, soziale Sicherung, Mitbestimmung oder geregelte Arbeitszeiten anbelangt.
Papst Franziskus spreche da eine klare Sprache, so Schobel, wenn er die Würde des

Menschen in den Mittelpunkt stellt. Dieser Papst beklagt die Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht und ohne ein wirklich menschliches Ziel.

Der Kampf um die Digitalisierungs-Gewinne

Eine der Kernforderung im Leitantrag ist, die Digitalisierung der Arbeit zum Wohl der Menschen zu gestalten. Arbeitnehmer brauchen umfassende Mitsprache- und Mitwirkungsmöglichkeiten beim Einsatz von technologischen Neuerungen, fordert die KAB. Für die digitale Transformation ist eine Qualifizierungs- und Bildungsoffensive für alle Beschäftigten notwendig. Der Leitantrag fordert den Gesetzgeber auf eine Regulierung der Solo-Selbstständigkeit, um der Entwicklung eines „digitalen Proletariats“ entgegenzuwirken.
Bei allem gehe es letztlich um eine gerechte Verteilung des Mehrwertes, der Produktivitätssteigerung durch den Einsatz neuer Technologien.
Peter Niedergesäss, Diözesansekretär der KAB, unterstreicht eine zentrale Forderung im Antrag: „Wir kommen an der Einführung einer Wertschöpfungsabgabe nicht vorbei, die Personalintensive Betriebe entlasten würde, und mit deren Einnahmen der Sozialstaat abgesichert wird.“

Aktionsschwerpunkt zum Schutz der sozialen Zeit

Um unbezahlte Überstunden zu verhindern und damit der „Rund um die Uhr Gesellschaft“ einen Riegel vorzuschieben, brauche es nach dem Willen der KAB eine echte Arbeitszeiterfassung für alle Berufsgruppen.

Susanne Lutz, frisch gewählte Diözesanvorsitzende, sieht in der Rückgewinnung, dem Schutz und Erhalt der unverfügten Zeit eine zentrale Herausforderung für die KAB. Es brauche Zeit für das Zusammenleben in Familie und Gesellschaft, für Kultur und Freizeit. Lutz: „Zeit ist vor allem Leben! Eine digitalisierte Gesellschaft ist nur überlebensfähig, wenn die Menschen das wertvolle Gut der kommerzfreien Zeit für sich bewahren. Es ist daher nur konsequent, wenn die KAB als Sozialverband den Schutz der Sozialen Zeit zu einem eigenen Handlungsschwerpunkt in den kommenden Jahren setzen wird. Denn im Leitantrag heißt es, Zeit ist das Kostbarste, was uns Menschen geschenkt ist!“

Peter Niedergesäss zeigt sich hocherfreut über die einstimmige Verabschiedung des Leitantrags. Damit gibt die KAB in der Corona-Krise ein eindeutiges Signal für eine internationale, ökologische und soziale Marktwirtschaft. Niedergesäss weiter, „die KAB stellt sich damit gegen den Raubtierkapitalismus von US-Präsident Trump“.

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15.03.2020

Dr. Wolfgang Kessler zu Gast beim KAB-Diözesanverbandstag

„Digitalisierung und Kapitalismus – Was machen wir nur damit?“

 Presseinformation - des Diözesanverbandstag der KAB am 14. März 2020 

„Die Fragilität unserer Gesellschaft und die gegenseitige Abhängigkeit in unserer Welt wird jetzt durch die Corona-Krise für jeden Einzelnen erlebbar. Sie sind auch die Folgen einer Globalisierungsoffensive der Wirtschaft, die wir in den vergangenen zwei Jahrzehnten erlebt haben. Und es ist diese Globalisierung, die auch die Digitalisierung von Wirtschaft und Arbeit vorantreiben wird“.
Mit diesen einleitenden Worten verband der bundesweit bekannte Wirtschaftsjournalist und Kapitalismuskritiker, Dr. Wolfgang Kessler sein Referat beim Verbandstag der Katholischen Arbeitnehmerbewegung-KAB im Bischof-Sproll-Bildungszentrum.

Daher sei es hochaktuell, wenn sich die KAB zu Digitalisierung der Arbeit gerade jetzt mit diesen Fragestellungen auseinandersetze, würdigte der Referent den vom Verbandstag einstimmig verabschiedeten Leitantrag „Die Digitalisierung der Arbeit zum Wohl der Menschen“.
Jetzt sei der richtige Moment über wirkliche Alternativen und Forderungen für einen grundlegenden Systemwechsel nachzudenken.
Dass die Möglichkeiten des algorithmengesteuerten Hochgeschwindigkeits-Datentransfers rund um den Globus an den Aktienbörsen fatale Folgen haben könne zeigte sich beim Aktiensturz in der vergangenen Woche.

Inzwischen würden an den Börsen 100.000 Wertpapiere pro Millisekunde verkauft. Gerade dieser digitale Automatismus bei den Börsentransaktionen - ohne menschlichen Zugriff, alles über Computer gesteuert - habe den freien Fall der Aktienkurse mit ausgelöst. Das Fatale an der Situation sei, dass diese Verwerfungen auf dem weltweiten Finanzmarkt unmittelbbare Folgen für die Realwirtschaft habe, so der Referent.

Hoffnungen und Befürchtungen

Kessler ließ keine Zweifel daran, dass die Digitalisierungszenarien., also die sogenannte „vierte industriellen Revolution“ nicht nur ein Fluch sind. „Sie bergen auch auch Chancen, um die Arbeitswelt der Zukunft menschlicher zu gestalten.“

So könnten Roboter unbeliebte gesundheitsschädigende Arbeiten und Routinetätigkeiten übernehmen. Experten sehen einen Vorteil für Handwerksbetriebe, ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern und in Zeiten des Facharbeitermangels konkurrenzfähig zu bleiben. Die digitale Revolution ermögliche auch selbstbestimmtes Arbeiten, um zum Beispiel mit Hilfe eines Homeoffice die Arbeit besser mit Familie, Kinderziehung oder Pflege zu verbinden. Künstliche Intelligenz könnte Fortschritte in der Medizin schaffen. Roboter als Assistenten könnten Pflegekräfte entlasten.

Die Arbeitsplatzbilanz fällt seiner Ansicht nach gemischt aus. Horrorvisionen von Millionen Arbeitslose würden nach allen Erfahrungen von Arbeitsmarktexperten nicht Wirklichkeit, aber die Zahl der Arbeitsstunden würde sinken, analysiert Kessler. Auch stünden in vielen Branchen noch große Rationalisierungsschübe bevor. In den Verwaltungen, Versicherungen, Banken, Buchhaltung und Steuerwirtschaft, ja selbst in der Justiz. Wenn „Computerprogramme Milliarden Gesetzestexte durchforsten und in Minutenschnelle Beurteilungen ausspuken können – und dies in 30 Sprachen, dann enthält dies Rationalisierungspotenzial“, so Kessler.

Für ihn liegt die größte Gefahr der Digitalisierung darin, dass sie die Spaltung in sehr qualifizierte und fordernde Tätigkeiten und in prekäre Arbeiten vertiefen könnte. Denn die Digitalisierung ersetze viele Routinejobs, schaffe aber prekäre Arbeit von Solo-Selbstständigen, die sich über Kurzzeit-Projekte, organisiert auf Internetplattformen, verkaufen müssten. Diese neue Selbstständigkeit werde im wesentlich schlecht bezahlt und schlecht abgesichert sein.

Zukunft der Arbeit – Zukunft des Digitalen Kapitalismus

Wer die positiven Perspektiven der digitalen Technologien für die Menschen durchsetzen wolle, müsse die Digitalisierung aktiv gestalten, sagte Kessler, und über neue Rahmenbedingungen nachdenken. So müssten Tarifverträge verhindern, dass die Arbeit immer weiter entgrenzt werde. „Flexibiltität ist gut, aber sie kann auch dafür sorgen, dass die Menschen flexibel aneinander vorbeileben“, sagt Kessler. Um Arbeitslosigkeit zu verhindern werde es auch immer wichtiger, wieder mehr auf kürzere Arbeitszeiten als auf Lohnerhöhungen zu setzen. Und nicht zuletzt sei es Aufgabe des Staates, nach Möglichkeiten zu suchen, wie die Wertschöpfung der Maschinen zum Nutzen der Menschen eingesetzt werden kann. „In Österreich wird darüber diskutiert, wie die Erträge der Maschinen einen Beitrag zur Finanzierung der Renten leisten können“, sagte Kessler. Und nicht zuletzt geht es darum, so der Referent, die Digitalisierung nachhaltig zu gestalten, denn die neuen Technologien seien oft mit einem sehr hohen Energieverbrauch verbunden.

Genau an diese Forderungen knüpfte die KAB in Biberach an.„Die Digitalisierung menschlich gestalten“ forderte sie in ihrem Leitantrag zum Verbandstag. Der Sozialverband will mit einer Zeitoffensive einen Akzent gegen die Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit der Menschen setzen. „Zeit ist das Kostbarste, was uns Menschen geschenkt ist“, bringt es Susanne Lutz, die neue Vorsitzende der KAB Rottenburg-Stuttgart, auf den Punkt. Mehr selbstbestimmte Zeit für die Menschen – das wäre ein erster wichtiger Schritt zur humanen Gestaltung der Digitalisierung.

Stuttgart, 16.03.2020

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KAB Diözesanverbandstag wählt neues Führungsteam

Susanne Lutz zur Diözesanvorsitzenden gewählt.

Mit einem ambitionierten Aktionsprogramm unter dem Titel
"Mehr Respekt, mehr Zeit - jetzt handeln" will die Katholischen
Arbeitnehmerbewegung-KAB Rottenburg-Stuttgart eine Pflegeoffensive starten.
Der Sozialverband will Themen aufgreifen, die die Menschen bewegen. Als Aktionsbewegung will sie Menschen zum Engagement für mehr Gerechtigkeit in der Arbeitswelt und Gesellschaft führen.
Der alle vier Jahre stattfindende Verbandstag hat in Biberach auch ein neues
Führungsteam gewählt.

Susanne Lutz ist zur neuen Diözesanvorsitzenden der KAB gewählt

Die 52 jährige gelernte Krankenschwester und diplomierte Pflegewirtin (FH)
kann auf Berufserfahrungen in den Feldern Pflege, Bildungsmanagement und Ehrenamt im Gesundheitswesen zurückgreifen.
Auch als Regionalsekretärin und KAB-Bildungsreferentin hat sie den Verband,
dem sie nun vorsteht, schon kennengelernt. Sie war zudem Sprecherin des
Arbeitskreises Internationales. Prägend war für sie ihr Auslandsjahr als
Krankenschwester in Uganda. Über die Partnerschaftsarbeit der KAB ist sie
auf den Verband aufmerksam geworden......

 

 

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