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Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart

Auf Du und Du mit den Baumbesetzern

Gemeinsamer Besuch im Baumhausdorf im Altdorfer Wald

Unsere Bildungsreferentin für Nachhaltigkeit, Dr. Anja Hirscher, hat sich intensiv mit den Menschen, die friedlich den Altdorfer Wald besetzen, ausgetauscht. Nach dem auch die dortige Regionalsekretärin, Andrea Grabherr, mit vor Ort im Baumdorf war, hat sich für uns ein ganz anderes Bild, als das, was durch die Zeitung in die Öffentlichkeit transportiert wird, gezeigt. Deshalb ist es uns ein Anliegen, die Menschen direkt in Begegnung miteinander zu bringen. Was lag also näher als eine Führung im Baumdorf der KlimaaktivstInnen durch die KAB anzubieten, um miteinander und nicht übereinander ins Gespräch zu kommen?

Am Samstag, 12. Juni sind dieser Einladung 15 Interessierte, darunter auch KAB-Mitglieder und drei evangelische Pfarrer aus umliegenden Orten, gefolgt und gemeinsam mit Dr. Anja Hirscher und Diözesansekretärin Svenja Gruß in den Altdorfer Wald gekommen. Nach einer kleinen Vorstellrunde auf dem Parkplatz informierte Hermine Städele, vom Bündnis für einen nachhaltigen Regionalplan, kompetent über den Sachverhalt.

Gemeinsam folgten wir dem kleinen Pfad in den Wald, der ins Baumhausdorf führt und auf selbstgeschriebenen Plakaten erste Informationen über die Regeln für den Besuch und das Zusammenleben geben: Drogen, Alkohol und Zigaretten werden nicht toleriert. Es wird auf das Tragen einer FFP2-Maske und das Einhalten des Mindestabstands hingewiesen, um die Pandemie-Auflagen jederzeit einzuhalten. Zweimal wöchentlich kommt die Polizei in den Wald, um dies zu kontrollieren. Wir werden freundlich von einem Bewohner empfangen, der uns die nächsten zwei Stunden über die Grundsätze des Zusammenlebens und das gemeinsame Anliegen berichtet.

Die einzelnen Häuser werden aus Holz, das hauptsächlich aus Spenden der Bevölkerung besteht z.B. Paletten, gemeinsam in die Bäume gebaut, ohne Nägel, um den Baum zu schützen. Es gibt ein Küchen-Baumhaus, in dem Spenden und Lebensmittel aus dem Foodsaving verarbeitet werden. Die Menschen im Baumhausdorf haben sich für die nachhaltigste Ernährungsform entschieden und kochen pflanzenbasiert/vegan. In den kalten Monaten wurde täglich eine heiße Mahlzeit von engagierten BürgerInnen vorbeigebracht. Wer spontan ins Baumhausdorf kommt und dort übernachten möchte, kann sich im Materiallager-Zelt bedienen, das mit gebrauchten Schlafsäcken und Kleidern gut bestückt ist. Daneben steht eine Müllstation zum Sammeln des Mülls bereit, falls er sich nicht vermeiden lässt. Unsere Besuchsgruppe geht weiter auf einem Pfad, der auf eine Anhöhe führt und weitere Baumhäuser werden sichtbar. Insgesamt besteht das Baumhausdorf aus 15 Häusern.

Tagsüber sitzen die BewohnerInnen entweder im Baumhaus beim Homeschooling oder Studieren von dort digital. Wenn es Klausuren gibt, gehen sie, wie alle anderen Studierenden oder SchülerInnen, ebenfalls in die Schule oder Uni. Der Empfang im Wald mit Laptop oder Handy ist sehr gut. Bei einem nahegelegenen Bauernhof können sie kostenlos ihre Handys und Powerbanks aufladen. Dort erhalten sie auch Wasser.

Immer wieder fällt auf, dass hupende Autos am Baumdorf vorbeifahren. Zwangsläufig zieht dies unsere Aufmerksamkeit auf sich und wir schauen durch den Wald zu den hupenden Autos, die dies häufig nicht aus Sympathiebekundungen machen, sondern ganz im Gegenteil, Beleidigungen zurufen. So wurde auch schon mit Silvesterkörpern auf die Menschen im Wald gezielt. Leider trägt die einseitige Berichterstattung der Medien zur Polarisierung bei. Oftmals hört man den Vorwurf, dass die jungen Leute doch besser arbeiten gehen sollten – aber uns wird schnell klar, dass die BewohnerInnen zum einen ihren Aufgaben in Schule und Studium gewissenhaft nachgehen und zum anderen mit ihrem persönlichen Einsatz auf aktuelle Probleme hinweisen, und dadurch erst die Diskussion um den Regionalplan in die Bevölkerung gebracht haben.

Im Austausch wird nochmals deutlich, dass sich hier junge Menschen zusammengeschlossen haben, um sich für unsere Zukunft einzusetzen. Da mag jeder unterschiedliche Mittel wählen: die einen probieren es mit Petitionen durch das Sammeln von Unterschriften, die anderen machen schriftliche Einwände gegen den Regionalplan und geben Stellungnahmen an die Politik weiter. Leider muss man sagen, dass die „üblichen“ Maßnahmen hier bisher nicht gegriffen haben, der mutige Einsatz der Klima-AktivistInnen jedoch dazu geführt hat, dass dies nicht mehr übersehen werden kann. Ob dies die eigene Methode ist, die wir für uns gewählt hätten, darf jeder für sich selbst entscheiden. Bei unserem Besuch wurde aber deutlich, dass es keine „Spinner“ sind, sondern junge Menschen mit Idealen, die sie sich für ihre und die nächsten Generationen bewegen und sich einsetzen. Denn der aktuelle Regionalplanentwurf 2021-2036 hält die Klima- und Nachhaltigkeitsziele nicht ein. Sie starten auch keine illegalen Aktionen, sondern überlegen sehr bedacht wie sie mit den Bäumen und der Natur mit der sie zusammenleben, umgehen. Sie kennen sich rechtlich gut aus und werden von einem Rechtsanwalt beraten. Da sie sich hier mit Leib und Seele beteiligen, sind wir aufgerufen, uns selbst ein Bild zu machen und nicht nur die hasserfüllten Leserbriefe sprechen zu lassen.

Bitte machen auch Sie sich selbst ein Bild, um ganz nach der katholischen Soziallehre: sehen - urteilen – handeln voranzugehen. Hier will die KAB Mittlerin sein. Und da wir wissen, dass es nicht immer einfach ist, sich auf unbekanntem Terrain zu bewegen, bieten wir nach den guten Rückmeldungen von heute, weitere von uns begleitete Führungen an. Machen Sie mit! Kommen Sie mit den jungen Menschen ins Gespräch! Unser Robert Bierenstiel, Vorstand der KAB/VKL-Gruppe Unterankenreute, ein direkter Anwohner am Altdorfer Wald, war mit dabei und positiv überrascht von den Baumbesetzenden und ihrem umsichtigen Vorgehen. Es geht um ein Miteinander-Reden und nicht übereinander.

Weitere Termine für Führungen im Altdorfer Wald werden auf unserer Homepage zeitnah bekannt gegeben.

Svenja Gruß, KAB-Diözesansekretärin

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