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Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart

Martinuspilger erreichen Rottenburg – Gemeinsam auf dem Weg für den Frieden in Europa

Seit nunmehr fünf Jahren ist eine internationale Pilgergruppe auf dem Weg. Die aktuelle Etappe führt sie nun ins Herz der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Geschafft! Nach 270 Kilometern diesmal und insgesamt über 1.000 Kilometern sind wir im Herzen unserer Diözese angekommen: im Martinsdom zu Rottenburg. Achim Wicker von der Martinusgemeinschaft empfängt uns mit einer Andacht und belohnt uns dafür, dass wir seit fünf Jahren den Martinusweg gehen: stets in der Woche vor und in der Woche nach Pfingsten, Jahr für Jahr, von Szombathely in Ungarn im Jahr 2022 bis nach Tours in Frankreich, wo wir im Jahr 2033 eintreffen.

Dieses Jahr startete unsere aus Ungarn, Österreichern und Deutschen bestehende Gruppe an dem Ort, der vor über 1.000 Jahren europäische Geschichte schrieb, der „deutsche“ und „ungarische“ Geschichte begründete: das Lechfeld. In einer furchtbaren Schlacht, entstand hier das Heilige Römische Reich Deutscher Nation aus dem Deutschland hervorging. Aus den nomadisierenden Magyaren wurden sesshafte Puszta-Bewohner, die später  mit Unterstützung der Mönche von Pannonhalma ein ungarisches Nationalverständnis entwickelten. In einer großen, teils militärisch genutzten Martinskirche erhalten wir den Pilgersegen– die Soldaten des NATO-Stützpunktes hier beten heute in der Kirche des Heiligen der Kriegsdienstverweigerung - so haben sich die Zeiten verändert.

Auf unseren Tüchern steht „Pilgern für Europa“ – hier spüren wir, dass das eine Friedensaufgabe ist. Die christliche Gemeinschaft, die wir leben, trägt uns auf dem Martinusweg wie die Friedenstaube den Ölzweig.

Wir gehen den Lech hinauf, von Kaufbeuren über Ochsenhausen, Biberach und Zwiefalten, durch das Lautertal und Lichtenstein bis nach Reutlingen und weiter nach Rottenburg. Oft erleben wir den großen, ordnenden Einfluss, den die Kirche ausgeübt hat: In Zwiefalten, Ochsenhausen, Rot an der Rot schien es wichtig, Macht und Prunk darzustellen, wie erholsam dagegen die Basilika in Altenstadt, in der sich alles auf die Kreuzigungsgruppe fokussiert. Gleich zu Beginn erfahren wir, wie Gott und seine Helfer eingreifen, um uns Menschen vor unseren Dummheiten zu schützen: Die Heilige Creszentia wurde dabei beobachtet, wie sie ihre riesige Hand über die Stadt Kaufbeuren legte, um sie so vor Fliegerangriffen zu schützen. Doch wir erfahren auch, dass nicht immer die schützende Hand zur Stelle war. Unweit des malerischen Lautertal, oben auf Schloss Grafeneck, erwartet uns das Grauen: innerhalb von elf Monaten töteten die Nationalsozialisten hier fast 11.000 Menschen, für die „Reinheit des deutschen Blutes“. Hier erfanden die Nazis das industrielle Töten mit Gas und anschließendem Verbrennen der Leichen im Krematorium. Heute ist es nicht nur eine Gedenkstätte, sondern – so war es bis 1939 und ist es wieder seit 1947 – Wohn- und Arbeitsort für Menschen mit Behinderungen. Beim Blättern in dem Buch, in dem die knapp 11.000 Namen aufgeführt sind, kann ich nicht anders als diesen Brückenschlag besonders zu würdigen. Das Gedenken an die Opfer bleibt nicht abstrakt, es verbindet sich mit den Lebenden. Das mahnt uns, dass es unsere Hände sind, unsere Stimme und unsere Verantwortung. Die Zukunft gestalten wir heute, und unsere christliche Botschaft kann nur eine Botschaft des Friedens sein, die jeden in seiner Einzigartigkeit willkommen heißt. Dafür gehen wir Pilger einen Weg, der Ost und West verbindet und vom Europarat als Kulturstraße anerkannt ist.

Zwei Wochen, 270 Kilometer, einen Sonnenstich, ein überlasteter Fuß, viel Voltaren und einiges an Kytta später öffnen sich die Pforten des Martinsdoms in Rottenburg – dem Ort, dem der Weg viel verdankt, und dem Ziel der fünften Etappe. Wir atmen die Kühle, lächeln uns zu, ein atmosphärisches Leuchten schwebt durch den Raum. In einem Jahr werden wir wieder hier sein, wenn am 10. Mai 2027 Bischof Dr. Klaus Krämer seine Arme ausbreiten wird, um den Pilgersegen zu sprechen– für uns, und für alle, die mit uns nach Speyer gehen werden, dem Ziel der sechsten Etappe.

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