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Digitalisierung sozial gestalten

Digitalisierung sozial gestalten

Zum Auftakt für den zukünftigen Schwerpunkt Arbeit. Macht. Sinn führte der KAB-
Diözesanverband eine Fachtagung durch.


Zum Einstieg in die Fachtagung berichtete Sebastian Carls (Organizer bei der Gewerkschaft
NGG) sehr anschaulich wie Digitalisierung die Arbeitswelt am Beispiel Food – Lieferservice
beeinflusst hat.


Plattformisierung ist die Basis für digitalisierte Unternehmen wie Foodora, Deliveroo.
Typisch ist für sie: das Handy wird zur Schichtplanung verwendet.
• Die App funktioniert in verschiedenen Sprachen, man muß also nicht Deutsch können
um für diesen Lieferservice zu arbeiten.
• Die App verfolgt über das Tracking den kompletten Weg metergenau.
• Vorfälle, Kontakte zu „Vorgesetzten“ ausschließlich über App.
• Es gibt keinen zentralen Betrieb, sondern städtische Plätze, an denen die Schichten
begonnen werden.


Wie geht´s den Kurier*innen bei Foodora und Co?
Die Befragung von Kurier*innen ergab positive Beurteilungen wie: Als Rider*in kann man
den Sport mit dem Geldverdienen verbinden. Es macht Spaß durch die Stadt zu düsen und
dafür Geld zu bekommen. Man ist in der Einteilung der Arbeit – trotz zunehmender
Probleme dabei – frei. Selbst wenn ich nicht die Sprache beherrsche und dringend einen Job
brauche, kann ich bei Foodora und Co. Schnell anfangen. Es gibt keine umständlichen
Bewerbungsverfahren.


Was bedeuten diese „neuen“ Arbeitsverhältnisse aus gewerkschaftlicher Sicht?
Ausführlich ging Herr Carls auf die Nachteile für die Beschäftigten ein: Arbeit als Freelancer
oder im Mini-Midijob-Verhältnis; geringe Entlohnung; i.d.R. keine Lohnfortzahlung bei
Krankheit; fragwürdiger oder kein Arbeitsschutz; Urlaub, Feiertage, Überstundenvergütung,
Elternzeit, Sozialversicherung entfallen weitestgehend / Tracking durch App /
undurchsichtiges Strafsystem (strikes); fehlende Ansprechpartner*innen als Zuständige;
Arbeitsgeräte/ - mittel wie Fahrrad oder Handy müssen selbst gestellt werden incl.
Reparaturen/Neukauf/Handyvertrag etc. Das heißt vom eh schon niedrigen Verdienst
müssen noch diese Kosten getragen werden.
Damit die Teilnehmenden auch mal die Relationen sehen, gab er ein Beispiel: die
Reparaturkosten für Fahrräder betragen im Schnitt pro Jahr um die 300,- bis 600,- €, die
Handykosten bei ca. 120,- /Jahr, dagegen liegt die Verdienstspanne pro Jahr bei 6.000,- bis
20.000,- €. Oft ist crowdworking eine Nebenbeschäftigung oder einer von mehreren Jobs.
Die Teilnehmer der Fachtagung waren sich darüber einig, Gewerkschaften, politische
Entscheidungsträger, Beschäftigte, Kunden, Arbeitnehmerorganisationen sind gefordert die
Missstände aufzudecken bzw. auf deren Beseitigung hinzuwirken, neue gesetzliche
Regelungen müssen erlassen, bestehende Regelungen müssen den neuen Situationen
angepasst werden. Auch auf die Unternehmer/Plattformbetreiber muss eingewirkt werden.
Gute Beispiele für Unternehmern gibt es bereits, Stichwort „Code of Conduct“ von 8
Crowdsourcing-Unternehmen. Diese müssen mehr bekannt gemacht werden.


In einer nächsten Einheit beschrieb Paul Schobel (Betriebsseelsorger i. R.) die Kennzeichen
der heutigen Digitalisierung und die ethischen Beurteilungen.
Aufgrund seiner Ausführungen erarbeiteten die Teilnehmer/innen 5 Bereiche an denen in
Tagesseminaren im Herbst 2019 weitergearbeitet wird.

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